Mit ‘Laos’ getaggte Artikel

Sabaai dee Laos (goodbye)

Dienstag, 29. Dezember 2009

Die Zeit in Laos ist zu Ende – ein paar großartige Tage mit ebenso großartigen Erlebnissen liegen hinter uns. Nach dem Besuch der Schule war eine ausgedehnte Fahrt mit einem Longtailboot über den Mekong noch ein weiteres tolles Highlight. Auf Platz 10 der längsten Flüsse der Erde ist der Mekong zu finden, dessen Länge aber offensichtlich nicht genau festgelegt ist. Laut Wikipedia sollen die Angaben über die Gesamtlänge zwischen 4.350 km und 4.909 km schwanken (vielleicht sollte ich einfach mal nachmessen).

Der Mekong von Laos Richtung Thailand

Der Mekong von Laos Richtung Thailand

Für umgerechnet 10 Euro hat der Bootsführer uns über den Fluss gefahren und hat dabei immer geschaut, wo ich die schönsten Fotos machen kann – eine entspannte Fahrt, dessen Tempo die Kamera bestimmte. Sobald ich diese zum Fotografieren/Filmen ansetzte, fuhr der Bootsführer sofort langsamer. Dass während der gesamten Fahrt permanent Wasser ins Boot lief, hat mich dabei nur wenig beunruhigt. Allerdings warf ich auch immer wieder mal einen kontrollierenden Blick auf die Pumpe im hinteren Teil des Bootes, die genauso permanent damit beschäftigt war, das eindringende Wasser wieder zurück in den Fluss zu befördern. Solange dieser Kreislauf funktionierte, brauchte ich mir schließlich keine Sorgen machen.

Da der Mekong nur wenig Wasser führte, ragten überall Felsen aus dem Fluss, um die unser Kapitän aber erfolgreich herum schipperte; der kannte offensichtlich nicht nur seinen alten Kahn sondern auch das Gewässer und er wusste genau, wo der Fluss seine schönsten Seiten bereit hielt. Als dann die Sonne langsam unterging, und ihre letzten Strahlen über den Fluss schickte, war es fast wie eine Reise in 1000 und eine Nacht …

Die letzten Sonnenstrahlen über dem Fluss

Die letzten Sonnenstrahlen über dem Fluss

In Laos gehen die Uhren anders. Irgendwie funktioniert hier alles noch eine Spur gelassener als in dem übermächtigen Nachbarn Thailand, von dem Laos aber extrem abhängig ist. Unzählige Produkte aus Thailand findet man an jeder Ecke. Selbst das Fernsehprogramm oder auch zum Teil die Elektrizität  kommt von der anderen Seite der Grenze. Schwere Laster werden auf Fähren zwischen Chiang Khong (Thailand) und Houay Xay (Laos) über den Fluss transportiert und damit kommen unzählige Produkte ins Land. Laos selbst exportiert nur relativ wenig. Neben einigen Lebensmitteln meist in Form von Früchten oder Gemüse und Blumen findet aber auch das Laosbier in einigen anderen Ländern Abnehmer.

Junge Mönchsnovizen mit ihren Lehrbüchern abends am Mekong

Mönchsnovizen mit Walkmann und Lehrbüchern abends am Mekong

Ein großes Problem für das eh recht arme Land sind noch immer unzählige Bomben im Boden, die von den Amerikanern während des Vietnamkrieges auf Laos abgeworfen wurden. Es ist kaum vorstellbar, aber auf diesen relativ kleinen Staat fielen mehr Bomben, als im gesamten zweiten Weltkrieg auf Europa. Und offensichtlich beteiligen sich die Amerikaner bis heute nicht an der Beseitigung dieser Altlasten – weder aktiv noch finanziell. Tote und Verletzte durch Blindgänger gehören daher heute noch zum Alltag…

An die Tage in Laos werde ich gerne zurückdenken – von den beiden Überfahrten zum Grenzwechsel abgesehen. Denn auch die Rückfahrt verlief nicht ohne Angstschweiß. Den Grenzverkehr über den Fluss teilen sich Laoten und Thais. Wir bestiegen also ein laotisches Boot, das uns zum anderen Ufer nach Thailand bringen sollte. Mitten auf dem Mekong heulte plötzlich der Motor auf, aber es war keinerlei Schub mehr vorhanden. Ein Griff des Bootsführers an die nicht mehr vorhandene Schiffsschraube erklärte das Problem – und das mitten auf dem Fluss.

Langsam drehte sich das Boot führerlos in dem Strom und begann abzutreiben. Nicht das ich hätte Panik bekommen, meine Herzfrequenz schoss aus mir nicht bekannten Gründen trotzdem in schwindelerregende Höhe. Der Fluss hatte, da Niedrigwasser war, keine sehr starke Strömung doch ein klein wenig flussabwärts sah die Sache durch Steine und Felsen  schon anders aus. Zu unserem Glück sah ein thailändischer Bootsführer das abtreibende Boot und steuerte gleich mit hoher Geschwindigkeit auf uns zu. Mitten auf dem Mekong krabbelten wir nun von einem ins andere Boot und gelangten dann doch noch sicher in Chiang Khong ans Ufer. Irgendwie hätte ich diese Aufregung zum Abschluss nicht mehr haben müssen, aber vielleicht sollte einfach noch mal ein kurzer Adrenalinschub die relaxten Tage zuvor unterstreichen.

entspannende Tage in einem faszinierenden Land

entspannende Tage in einem faszinierenden Land

ein Geschenk für 100 Kinder (u. ein paar mehr…)

Freitag, 25. Dezember 2009

Wir sind weit aus der Grenzregion heraus ins Landesinnere gefahren und wollen gerade umkehren, denn inzwischen sind wir recht  lange mit dem Motorroller unterwegs. Zufällig sehe ich ein paar spielende Kinder auf einem Hügel und denke, dass dies ein nettes Fotomotiv sein könnte. Also fahren wir kurzentschlossen auf diesen Hügel und stehen dort vor einer Schule. Neugierig werden wir von den ersten Kindern begrüßt. Aber kann ich hier einfach herum fotografieren? Nach einiger Zeit kommt eine Frau aus dem Gebäude, die offensichtlich eine Lehrerin ist. Teno erklärt ihr, dass wir zufällig vorbei gekommen sind und gerne ein paar Fotos machen möchten und fragt, ob das in Ordnung sei. Sofort nickt sie lächelnd und da wir von einer ganzen Schaar Kinder inzwischen umringt sind, denen  wir offensichtlich eine willkommen Abwechslung bieten, drücke ich ein paar Mal auf den Auslöser und drehe die Kamera anschließend um, damit die Fotografierten sich mit mir über das Ergebnis freuen können.

wenn willst du hier zuerst fotografieren?

wenn willst du hier zuerst fotografieren?

Die Reaktion könnte kaum größere Freude bereiten. Lautes Gejohle, herzhaftes Lachen und ein dichtes Gedränge, denn jeder möchte jetzt die Fotos sehen und jeder möchte auch fotografiert werden. Innerhalb kürzester Zeit habe ich eine endlose Zahl an Fotos, viel mehr als ich eigentlich haben wollte. Aber diese Kinder haben eine solche Freude mit uns, dass wir jetzt nicht einfach so wieder verschwinden wollen und können. Zudem unterhält sich die Lehrerinn inzwischen angeregt mit Teno und ist sehr interessiert zu erfahren, dass er für ein Hilfsprojekt in Thailand arbeitet, dass sich zum Ziel gesetzt hat Kindern und Jugendlichen möglichst früh beizubringen welche Rechte sie haben und wie Gewalt und Unterdrückung an Schulen (auch in Thailand ein Thema) vermieden werden können. Zum Glück ähneln sich thai und laotisch sehr und damit gibt es zwischen den beiden kaum Schwierigkeiten mit der Verständigung.

Langsam dränge ich dann aber doch zum Aufbruch, denn wir sind nun schon seit über einer Stunde hier und die Speicherkapazität der Karte für die Kamera ist auch langsam erschöpft. Um einen Ausstieg zu bekommen schlage ich vor, dass wir ja morgen wieder kommen können und dass wir den Kindern dann auch etwas mitbringen. Also machen wir uns wieder auf den Weg zurück und ich überlege während der Fahrt angestrengt, was man denn 100 Kindern schenken kann…

geduldiges Warten in der Reihe - in Laos kein Thema

geduldiges Warten in der Reihe

Am nächsten Morgen habe ich, wie ich hoffe, eine gute Idee. Es sollen zwei Bälle werden. Ein Fußball und ein Basketball. Damit können so ziemlich alle Kinder was anfangen. Außerdem kaufen wir auch noch über 100 kleine Biskuitrollen und dazu jeweils einen kleinen Becher mit einer Geleemasse in verschiedenen Farben und Geschmacksrichtungen. Voll bepackt machen wir uns damit erneut auf den Weg zu dieser Schule. Ich staune nicht schlecht, als wir dort ankommen. Das sind doch viel mehr Kinder als gestern, denke ich so bei mir und tatsächlich: Die Lehrerin erzählt uns freudestrahlend, dass die Nachricht, dass wir zurück kommen und dann auch noch was mitbringen sich ziemlich schnell herumgesprochen hat. Und so sind heute keine 100 sondern etwa 130 Kinder anwesend und die Lehrerin hat heute auch gleich noch drei weitere Kollegen zur Unterstützung dabei.

Unsere Mitbringsel kommen nun alle in einen Karton und die Kinder stellen sich jeweils in ihren Altersklassen in Reihen vor der Schule auf (da herrscht noch Ordnung und Disziplin). Anschließend kommen alle nacheinander nach vorne und dürfen ihre kleinen Mitbringsel entgegen nehmen. Während dessen halte ich alles in Film und Foto fest, werde aber immer nervöser desto weiter sich die Reihen lichten. Wenn jetzt die Letzten an der Reihe sind und die mitgebrachten Sachen nicht reichen, wäre das eine echte Katastrophe. Der Gedanke das auch nur ein einziges Kind mit lehren Händen dasteht, macht mich ganz nervös. Wo kriegen wir auf die Schnelle adäquaten Ersatz her? Das Geschäft, in dem wir die Sachen gekauft haben ist eine Stunde entfernt. Für hin und zurück zu fahren reicht die Zeit nicht, da es bereits Nachmittag ist…

Am Ende glaube ich an eine Art wundersame Brotvermehrung. Es bleiben sogar 10 Teile übrig. Ich habe keine Ahnung wie das sein kann. Tenos Erklärung beendet dann das Grübeln: Dann haben wir uns zum Glück eben beide verzählt …

ein kurzes Händefalten als Dankesgeste - in Laos und Thailand normal

ein kurzes Händefalten als Dankesgeste

Alle sind glücklich und zufrieden und zum Dank kriegen wir auch noch mehrere Tanz- und Folkloredarbietungen. Es beschämt mich ein wenig – wie man sich da für uns ins Zeug legt, ist kaum zu beschreiben. Mit einfachsten Mitteln (die Lehrerin schlägt den Tackt auf einem alten Plastikeimer) aber mit unglaublicher Energie und Freude verbreitet sich eine ansteckende Stimmung bei der ich begeistert mit klatsche. Der Unterricht wird zur Nebensache; auch die anderen Lehrer sind in großartiger Stimmung und singen und klatschen genauso wie der Rest der Zuschauer. Als wir nach über zwei Stunden die Schule wieder verlassen winken Kinder und Lehrer noch so lange bis wir mit unserem Roller außer Sichtweite sind.

Fast auf den Tag genau hatte ich ein annähernd vergleichbares Erlebnis in einem Kindertempel in Myanmar. Auch dort haben die Kinder sich riesig über ein paar Mitbringsel gefreut. Das war damals am ersten Weihnachtstag 2008 und heute ist zumindest in den christlichen Ländern dieser Welt „Heiliger Abend“.

Demokratische Volksrepublik Laos

Freitag, 25. Dezember 2009

Nebel liegt über dem Mekong und auch über der Stadt Chiang Khon, als wir morgens um kurz nach sieben aufstehen. Es ist kühl und die feuchte Luft verstärkt diese Kühle noch. In einer Stunde wollen wir uns auf den Weg nach Laos machen. Die Demokratische Volksrepublik Laos ist bereits sichtbar und nur noch durch den Fluss von uns getrennt. Jetzt stellt sich aber die Frage wohin mit dem Motorroller, mit dem wir gestern zwei Stunden lang (gefühlte fünf!!!) von Chiang Rai bis an die laotische Grenze nach Chiang Khon gefahren sind. Die Betreiberin des Gästehauses in dem wir die letzte Nacht verbracht haben, bietet uns an, das Gefährt bei ihr unterzustellen, will aber für diesen Service 150 Bath (mehr als 3 Euro) pro Tag haben. Das ist Wucher und wir lehnen dankend ab.

Tenos besonderes Talent auf Menschen zuzugehen erweist sich wie so oft als hilfreich. Dieses Mal ist es ein Polizist, ebenfalls auf einem Motorroller unterwegs, den er kurzerhand anhält und um Rat fragt. Schnell ist geklärt, dass der Roller an andere Stelle für 20 Bath pro Tag sicher geparkt werden kann. Umgehend schwingt sich Teno mit auf den Roller des Polizisten und ich fahre den beiden zum Parkplatz hinterher.

Der kurze Smalltalk mit dem Gesetzeshüter (der ohne Helm unterwegs ist…) bringt dann auch noch einen weiteren Vorteil: Nämlich die Auskunft, dass Teno als Thailänder ebenfalls einen Reisepass für Laos braucht und seine ID-Card (thailändischer Personalausweis) nicht für die Einreise ausreicht. Der Pass ist aber in Chiang Rai und zudem auch noch abgelaufen.

Aber auch da weiß der nette Polizist einen Ausweg. Zuerst muss Teno auf die Verwaltungsbehörde für Grenzüberschreitungen und dort ein besonderes Ausweisdokument ausfertigen lassen. Mit diesem Dokument kann er nur an einer bestimmten Stelle den Fluss überqueren und anschließend darf er sich nach der offiziellen Einreise in Laos nur in der Einreise-Provinz aufhalten und zudem muss er das Land nach fünf Tagen wieder verlassen. Ehrlich gesagt habe ich nur die Hälfte verstanden und noch weniger kapiert…

Sonnenuntergang am Mekong

Sonnenuntergang am Mekong

Die Fahrt mit einem Longtail-Boot über den Mekong hat etwas Abenteuerliches. Obwohl der Trip nicht einmal fünf Minuten dauert, wage ich während der Überfahrt kaum zu atmen, geschweige denn mich zu bewegen. Das überladene Boot liegt so tief im Wasser, dass ich befürchte jede noch so kleine Welle könnte ins Boot schwappen und den Kahn damit zum Absaufen bringen. Ich bin heilfroh als das andere Flussufer erreicht ist. Die Grenzformalitäten stehlen uns anschließend den halben Vormittag. Dabei ist es nicht die Ausnahmesituation für Teno, sondern der ganz normale Visumsantrag an der Grenze für westliche Ausländer. Eine lange Prozedur bis endlich ein gültiges und gestempeltes Visum seinen Weg in meinen Pass findet und dreißig US$ Dollar aus meinem Portemonnaie in der Schublade des Grenzbeamten eine neue Bleibe haben (wobei der zweite Teil doch recht zügig vonstatten ging …). Doch als es endlich geschafft ist, finden wir in der näheren Umgebung schnell ein kleines und vor allem preisgünstiges Hotel für umgerechnet etwa 6 Euro pro Nacht. Für noch etwas weniger mieten wir hier ebenfalls einen Motoroller und jetzt geht es auf Entdeckungstour in Laos.