Mit ‘Weihnachten’ getaggte Artikel

ein Geschenk für 100 Kinder (u. ein paar mehr…)

Freitag, 25. Dezember 2009

Wir sind weit aus der Grenzregion heraus ins Landesinnere gefahren und wollen gerade umkehren, denn inzwischen sind wir recht  lange mit dem Motorroller unterwegs. Zufällig sehe ich ein paar spielende Kinder auf einem Hügel und denke, dass dies ein nettes Fotomotiv sein könnte. Also fahren wir kurzentschlossen auf diesen Hügel und stehen dort vor einer Schule. Neugierig werden wir von den ersten Kindern begrüßt. Aber kann ich hier einfach herum fotografieren? Nach einiger Zeit kommt eine Frau aus dem Gebäude, die offensichtlich eine Lehrerin ist. Teno erklärt ihr, dass wir zufällig vorbei gekommen sind und gerne ein paar Fotos machen möchten und fragt, ob das in Ordnung sei. Sofort nickt sie lächelnd und da wir von einer ganzen Schaar Kinder inzwischen umringt sind, denen  wir offensichtlich eine willkommen Abwechslung bieten, drücke ich ein paar Mal auf den Auslöser und drehe die Kamera anschließend um, damit die Fotografierten sich mit mir über das Ergebnis freuen können.

wenn willst du hier zuerst fotografieren?

wenn willst du hier zuerst fotografieren?

Die Reaktion könnte kaum größere Freude bereiten. Lautes Gejohle, herzhaftes Lachen und ein dichtes Gedränge, denn jeder möchte jetzt die Fotos sehen und jeder möchte auch fotografiert werden. Innerhalb kürzester Zeit habe ich eine endlose Zahl an Fotos, viel mehr als ich eigentlich haben wollte. Aber diese Kinder haben eine solche Freude mit uns, dass wir jetzt nicht einfach so wieder verschwinden wollen und können. Zudem unterhält sich die Lehrerinn inzwischen angeregt mit Teno und ist sehr interessiert zu erfahren, dass er für ein Hilfsprojekt in Thailand arbeitet, dass sich zum Ziel gesetzt hat Kindern und Jugendlichen möglichst früh beizubringen welche Rechte sie haben und wie Gewalt und Unterdrückung an Schulen (auch in Thailand ein Thema) vermieden werden können. Zum Glück ähneln sich thai und laotisch sehr und damit gibt es zwischen den beiden kaum Schwierigkeiten mit der Verständigung.

Langsam dränge ich dann aber doch zum Aufbruch, denn wir sind nun schon seit über einer Stunde hier und die Speicherkapazität der Karte für die Kamera ist auch langsam erschöpft. Um einen Ausstieg zu bekommen schlage ich vor, dass wir ja morgen wieder kommen können und dass wir den Kindern dann auch etwas mitbringen. Also machen wir uns wieder auf den Weg zurück und ich überlege während der Fahrt angestrengt, was man denn 100 Kindern schenken kann…

geduldiges Warten in der Reihe - in Laos kein Thema

geduldiges Warten in der Reihe

Am nächsten Morgen habe ich, wie ich hoffe, eine gute Idee. Es sollen zwei Bälle werden. Ein Fußball und ein Basketball. Damit können so ziemlich alle Kinder was anfangen. Außerdem kaufen wir auch noch über 100 kleine Biskuitrollen und dazu jeweils einen kleinen Becher mit einer Geleemasse in verschiedenen Farben und Geschmacksrichtungen. Voll bepackt machen wir uns damit erneut auf den Weg zu dieser Schule. Ich staune nicht schlecht, als wir dort ankommen. Das sind doch viel mehr Kinder als gestern, denke ich so bei mir und tatsächlich: Die Lehrerin erzählt uns freudestrahlend, dass die Nachricht, dass wir zurück kommen und dann auch noch was mitbringen sich ziemlich schnell herumgesprochen hat. Und so sind heute keine 100 sondern etwa 130 Kinder anwesend und die Lehrerin hat heute auch gleich noch drei weitere Kollegen zur Unterstützung dabei.

Unsere Mitbringsel kommen nun alle in einen Karton und die Kinder stellen sich jeweils in ihren Altersklassen in Reihen vor der Schule auf (da herrscht noch Ordnung und Disziplin). Anschließend kommen alle nacheinander nach vorne und dürfen ihre kleinen Mitbringsel entgegen nehmen. Während dessen halte ich alles in Film und Foto fest, werde aber immer nervöser desto weiter sich die Reihen lichten. Wenn jetzt die Letzten an der Reihe sind und die mitgebrachten Sachen nicht reichen, wäre das eine echte Katastrophe. Der Gedanke das auch nur ein einziges Kind mit lehren Händen dasteht, macht mich ganz nervös. Wo kriegen wir auf die Schnelle adäquaten Ersatz her? Das Geschäft, in dem wir die Sachen gekauft haben ist eine Stunde entfernt. Für hin und zurück zu fahren reicht die Zeit nicht, da es bereits Nachmittag ist…

Am Ende glaube ich an eine Art wundersame Brotvermehrung. Es bleiben sogar 10 Teile übrig. Ich habe keine Ahnung wie das sein kann. Tenos Erklärung beendet dann das Grübeln: Dann haben wir uns zum Glück eben beide verzählt …

ein kurzes Händefalten als Dankesgeste - in Laos und Thailand normal

ein kurzes Händefalten als Dankesgeste

Alle sind glücklich und zufrieden und zum Dank kriegen wir auch noch mehrere Tanz- und Folkloredarbietungen. Es beschämt mich ein wenig – wie man sich da für uns ins Zeug legt, ist kaum zu beschreiben. Mit einfachsten Mitteln (die Lehrerin schlägt den Tackt auf einem alten Plastikeimer) aber mit unglaublicher Energie und Freude verbreitet sich eine ansteckende Stimmung bei der ich begeistert mit klatsche. Der Unterricht wird zur Nebensache; auch die anderen Lehrer sind in großartiger Stimmung und singen und klatschen genauso wie der Rest der Zuschauer. Als wir nach über zwei Stunden die Schule wieder verlassen winken Kinder und Lehrer noch so lange bis wir mit unserem Roller außer Sichtweite sind.

Fast auf den Tag genau hatte ich ein annähernd vergleichbares Erlebnis in einem Kindertempel in Myanmar. Auch dort haben die Kinder sich riesig über ein paar Mitbringsel gefreut. Das war damals am ersten Weihnachtstag 2008 und heute ist zumindest in den christlichen Ländern dieser Welt „Heiliger Abend“.